Projekt Beschreibung

Dreizehnte Station – Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Die dreizehnte Kreuzwegstation zeigt in frommer Ausfaltung dessen, was die Evangelien überliefern, Maria mit ihrem toten Sohn in den Armen. Bildhauer der Gotik, aber auch Michelangelo in seinen Pietà-Bildern haben dieses Thema herzbewegend gestaltet.

Vesperbild oder Marienklage nennt man die gotische Gestaltung dieses Themas: Am späten Nachmittag des Karfreitags, zur Vesperzeit, wird der Leichnam Jesu in den Schoß seiner Mutter zurückgegeben. Manche Künstler haben diesen Leichnam kindhaft klein dargestellt. Der tote Sohn ist wieder zum Schoßkind geworden: ein Trostbild für die schmerzhaften Mütter aller Zeiten.

Thirteenth Station: Jesus is taken from the cross

The thirteenth station of the cross piously depicts Mary, according to the gospels, with her dead Son in her arms. Gothic sculptors, as well as Michaelangelo, have also treated this theme movingly.

The Gothic treatment of this time is called either a vesper scene or Mary’s lamentation. In the late afternooon of Good Friday around vesper time the corpse of Jesus is restored to His mother’s lap. Some artists portray His corpse as childly small. The dead Son has become a child in His mother’s lap again: a picture of comfort for grieving mothers of all times.

Die Darstellung konzentriert sich auf den Gekreuzigten sowie auf die wenigen Getreuen, die Erscheinung der Toten und die Sonnenfinsternis, somit also auf die Träger der moralisch vorbildlichen, symbolischen und universellen Gehalte. Dem entspricht auch der Bildausschnitt, durch welchen der das ganze Feld durchmessende Gekreuzigte in größtmöglicher Nähe und – entsprechend seiner Bedeutung – allein als Ganzfigur an den Betrachter heranrückt. So erscheint Christus zeichenhaft und monumental, und wir stehen auf gleicher Ebene mit den vom unteren Bildrand überschnittenen Figuren, also direkt unter dem Kreuz. Der Hauptmann, dessen Bekennertum  zutiefst Führichs Wesen entspricht, vermittelt durch seine halbseitige Wendung vom Bildgeschehen zum Betrachter und ist Angelpunkt einer das Bild durchquerenden Aufwärtsbewegung, der sich die Einzelformen unterordnen. Der übergangslos von der Nahsicht des Vordergrundes zur Schemenhaftigkeit wechselnde Hintergrund bleibt symbolhafte Folie, in der die Bewegung der Vordergrundfiguren noch einmal leicht anklingt. So vereinigt dieses Bild das Kreuzigungsgeschehen, seine moralisch-symbolische Auffassung und die direkte Konfrontation mit dem Betrachter.

Am Kreuzesstamm im Zentrum sitzt Maria, den Leichnam Jesu auf ihrem Schoß haltend, wobei sie links von Johannes unterstützt wird, während rechts weinende Frauen dicht an ihrer Seite lagern und dahinter Josef von Arimatäa und Nikodemus stehen.

Nicht das äußere Geschehen der Abnahme vom Kreuz, an das nur durch Nebenmotive angeknüpft wird, sondern ein inneres hat dieses Bild zum Gegenstand: die Trauer um den von Maria präsentierten Leichnam. Nicht äußere, sondern innere Bewegung motiviert und leitet auch die sich nacheinander tief verbeugenden Figuren zu Christus und Maria als der ruhigen Mitte hin, um welche sie sich eng zu einer pyramidenartigen Formation zusammenschließen. So wird Christus in die historischen Träger der Trauer und damit in das Geschehen selbst optisch eingebettet, gleichzeitig aber auch direkt dem Betrachter dargeboten.

Betrachtungsgedanken: Dr. Egon Kapellari (Übersetzung/Translation: Heidi Steinwender); Dr. Rittinger
Erstellt am 13.2.2008