Einige Zusammenfassungen aus der Bibelrundenreihe 2010/2011:
"Alte Schriften im Neuen Testament"

 

Einführung in das Markusevangelium

Das Evangelium nach Markus ist das zweite Buch des NT, das kürzeste der vier Evangelien und auch das älteste unter ihnen.
Geschrieben wurde es zwischen 65-70 n.Chr. zur Zeit der Zerstörung Jerusalems.

Das Markusevangelium erzählt die Geschichte des Wirkens Jesu als erwachsener Mann.(anders bei Mt und Lk) Die Geschichte Jesu von seinem öffentlichen Wirken an bis hin zu Kreuz und Auferstehung wird zum ersten Mal zusammenhängend erzählt.

Man geht davon aus, dass der Verfasser als Grundlage seines Evangeliums auf zahlreiche christliche Traditionen um Jesus zurückgreifen konnte, die vor allem in der Missionspredigt, dem liturgischen Gebrauch, und in der Gemeindekatechese schon schriftlich vorhanden waren.

Der erste Satz lautet: Anfang des Evangeliums von Jesus Chrisus, dem Sohn  Gottes.     Daraus entstand die allgemeine Bezeichnung für die Botschaft über das Christusgeschehen, die literarische  Gattung „Evangelium“ .
Diese Bezeichnung gab es schon in der Zeit vor Christus für Texte über wichtige Abschnitte im Leben der römischen Kaiser. So wurde den Evangelien schon durch diese bereits bekannte Bezeichnung eine besondere Wichtigkeit zuerkannt.

Der überlieferte Text endete ursprünglich bei Kapitel 16,8 mit dem Tod Jesu ohne eine Erwähnung der Auferstehung. Es ist anzunehmen, dass der letzte Teil vom Original verloren ging, die Verse 9-20 wurden erst später hinzugefügt.

Über die Person des Verfassers gibt es verschiedene Theorien, die alle durch erhaltene Textfragmente der frühen Kirche belegt sind, aber teilweise durch den Text selbst auch wiederlegt werden:
Eine Theorie besagt, dass Markus der Dolmetscher und Schüler des Petrus war und sorfältig alles aufgeschrieben hat, woran er sich erinnerte. Das Problem an dieser Theorie ist aber, dass keine einzige petrinische Überlieferung im Text vorkommt und Petrus nicht einmal besonders schonend behandelt wird.
Eine andere Meinung ist, dass es sich beim Verfasser um den Apostel Johannes der den Beinamen Markus trug handelt. Dagegen spricht, dass sich der Verfasser in Jerusalem und Umgebung nicht besonders gut auskennt, wie einige geographische Fehler zeigen. Vermutlich wurde der Text außerhalb Palästinas geschrieben.

Markus kann der Verfasser, aber durchaus geheißen haben, denn das war zu der Zeit ein sehr häufiger Name.

Markus schrieb an Heidenchristen. Ein Hinweis darauf ist, dass er im Text jüdische Feste und Sitten erklärt, sowie oft aramaische Wörter übersetzt werden.

 Die jungen Christen für die er schrieb, lebten in Haus- und Ortsgemeinden, in einer Situation die für sie nicht leicht war:

- Jesus ist nicht mehr körperlich anwesend, und kommt auch nicht so schnell wieder wie  erwartet.

- Die innere Situaion der Gemeinden ändert sich, da oft Heidenchristen und Judenchristen zusammenleben.

- Die Gemeinden werden verfolgt.

- Die christlichen Missionare stoßen oft auf Unverständnis und Ablehnung.

- Irrlehren finden sehr rasch Verbreitung.

Die Aufgabe des Evangelisten war, die Gläubigen zu bestärken, dass sie auf dem richtigen Weg sind und die Weisungen Jesu zu aktualisieren auch in die neue Lebenssituation der Menschen hinein.

Dafür ist es sehr wichtig die richtigen Worte zu finden.

Bei der Lektüre dieses Evangeliums fällt besonders auf, dass Jesus in sehr menschlicher Weise dargestellt wird: Er wird zornig und traurig (3,5), hat Hunger (11,12), ist müde (4,38), herzt Kinder (10,16).
 

1. Tessalonicherbrief

Der erste Brief an die Tessalonicher ist der älteste erhaltene Paulusbrief aus dem Jahr 50 n.Chr. und gleichzeitig die älteste Schrift des NT.
Paulus kam bei seiner zweiten Missionsreise nach Tessalonich (das ist das heutige Saloniki), nachdem er in Philippi seine erste Gemeinde auf europäischem Boden gegründet hatte.

Die kleine christliche Gemeinde in Thessalonich besteht offensichtlich in ihrer großen Mehrheit aus Heidenchristen, die in heidnischem Gebiet lebt.

Die Christen waren als Glaubensgemeinde nicht anerkannt, hatten nach außen keine Macht, waren klein, nicht gefestigt und gefährdet. Sie lebten anders als die Umwelt und wurden wegen ihres Glaubens benachteiligt und bedrängt.

Paulus gibt Hinweise, wie in einer derartigen Situation christliches Leben möglich ist. Die Hilfe Gottes wird bewirken, dass die bedrängte Gemeinde in Glaube, Hoffnung und Liebe lebendig bleiben wird.

Der Grund des Schreibens dürfte in erster Linie die Sorge um die kleine, junge Gemeinde gewesen sein und ist daher Trostschrift, Mahnung und Belehrung für ein christliches Leben.

Paulus hat die Gemeinde vor nicht allzulanger Zeit gegründet, sie dann aber zwangsweise verlassen müssen.
Jetzt hat er durch Timotheus neue Nachrichten von der Gemeinde bekommen.

Diese Nachrichten sind für den Apostel Grund zur Freude und zum Dank.

Er beschreibt wie freudig das Evangelium von der Gemeinde aufgenommen wurde. Sie haben sich vom Götzenkult abgewandt und sind so zum Vorbild für andere Gemeinden geworden.

Da die Gemeinde die Verkündigung des Apostels als Gottes Wort angenommen hat, kann sie in den Bedrängnissen bestehen, die sie von ihren Mitbürgern erleiden muß.

Die zum Christentum Bekehrten schlossen sich nicht mehr dem Kaiserkult an, da der der Kaiser wie ein Gott verehrt wurde. Damit standen sie aber außerhalb des öffentlichen Lebens, weil jede offizielle Tätigkeit und Feier den Kaiserkult einschloss.

Die Einwohner von Thessalonich waren romfreundlich eingestellt. Die Stadt verdankte ja dem römischen Staat und dem römischen Kaiser ihren Wohlstand. Weil die Christen am öffentlichen Leben nicht teilnahmen, warf man ihnen vor, gegen die Staatsgesetze zu verstoßen und einer staatsfeindlichen Religion anzugehören. Aus diesem Grund wurde auch Paulus verfolgt.

Er bestärkt sie in ihrem Tun und bezeichnet die Gemeinde als Auserwählte, und von Gott Geliebte.
Er ermahnt sie aber auch, sich noch mehr um ein Leben nach Gottes Willen zu bemühen, in der Bruderliebe noch vollkommener zu werden und ein rechtschaffenes Leben zu führen.
Diese Ermahnungen geben nicht nur auf bestimmte Missstände der Empfängergemeinde Antwort, sondern sind allgemeiner gedacht. Am Anfang dieses ermahnenden Teiles schärft Paulus den Lesern ein Leben in Vollkommenheit und Heiligung ein (4,1-8). Nicht Paulus, sondern Jesus, der Herr, gibt diese Anweisungen. Dadurch wird die Verbindung gelegt zur Annahme des Evangeliums und der Taufe. Heiligkeit ist die Entfaltung des Menschen in und durch die Gnade Jesu. Die Heiligung setzt ein entsprechendes Verhalten voraus. Paulus nimmt einen anti-heidnischen Lasterkatalog, um zu zeigen, wie der Christ leben soll:

Er meidet Unzucht, Götzendienst, Rechtsüberschreitungen und Betrügereien. Der Christ kann sich wohl sein Heil nicht verdienen. Wer sich aber nicht von den genannten Lastern abwendet, handelt heidnisch und entspricht nicht der von Gott geschenkten Berufung.
Da die Christen von Thessalonich in einer heidnischen Gesellschaft leben, ist es schwierig, sich am Evangelium zu orientieren.

Im einzelnen sind folgende Ermahnungen enthalten:

¨ Ermahnung zur liebevollen Eintracht (5,12f)

¨ Ermahnung zur Geduld mit den schwachen Gemeindemitgliedern (5,14)

¨ Ermahnung zur Überwindung des Bösen durch das Tun des Guten (5,15)

¨ Ermahnung zum ständigen Gottesdienst in Freude (5,16-18)

¨ Ermahnung zum Leben im Geist (5,19-22

 Paulus lobt die Gemeinde aber auch dafür, wie sehr sie ihr Leben schon geändert haben und nach Vollkommenheit streben.

 Es ist aber auch zu einer gewissen Verunsicherung in der Gemeinde gekommen, weil einige Christen schon gestorben sind und das Kommen Jesu und damit das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht.  Die ersten Christen lebten in der Hoffnung die Wiederkunft Christi würde sich noch zu Ihren Lebzeiten ereignen. Die Thessalonicher glauben daher, dass sie selbst als Lebende Zeugen dieses Geschehens sein werden.

Paulus sagt ihnen, dass die Verstorbenen auch das versprochene Heil erlangen werden, dass sie auferstehen und gemeinsam mit den Lebenden für immer beim Herrn sein werden.

 Mit dem Segen für die Empfänger und der Bitte des Paulus um das Gebet der Thessalonicher, mit dem Gruß und dem dringenden Wunsch, dass dieses Schreiben allen vorgelesen wird, schließt der

Brief: „Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit euch!“.