Podiums-Diskussion:
"Religionen – Gestaltende Kraft oder Ärgernis"  

(Flyer)

 

• Wann, Wo, Wer?

• persönliche Stellungnahme Kresimir Mladensich, Bezirksrat Leopoldstadt

• persönliche Stellungnahme Konstantin Spiegelfeld, Pfarrer St. Johann Nepomuk

• Bericht auf stephanscom

• Fotos

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mit Vertreterinnen und Vertretern aus den verschiedenen Religionsgemeinschaften, der Gemeinde Wien und der Bezirkspolitik.

Datum:           Donnerstag, 27. Mai 19.30 Uhr
Ort:                 UNIQA–Tower, im Platinum
                        1020 Wien Untere Donaustraße 21

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Podium:

• o. Univ. Prof. Dr. Ingeborg Gabriel
Institut für Sozialethik an der Katholisch Theologischen Fakultät 

• Dr. Almir Ibrić
MA 17 - Integration und Diversität, Regionalstelle Ost, 1030 Wien

• Kresimir Mladensich
Bezirksrat Leopoldstadt, Bezirksbeauftragter für Integration und Kultur

• Dr. Willy Weisz
Jüdischer Vertreter, Universität Wien, Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit

• Maga. Amena Shakir
Muslimische Vertreterin, Leiterin des Privaten Studienganges für das Lehramt für islamische Religion an Pflichtschulen

• DI Mag. Konstantin Spiegelfeld
Pfarrer der röm.kath. Pfarre St. Johann Nepomuk, 1020 Wien

 

Moderation:
Maga. Doris Helmberger-Fleckl
Redakteurin der Wochenzeitung „Die Furche“ 

 

Anliegen:
Religionen stehen in einer pluralen Welt in Diskussion. Sie sind ein Wertangebot von vielen. Sie werden derzeit in der öffentlichen, medialen Wahrnehmung oft als Bedrohung oder Einengung empfunden, begleitet von Skandalen.
An diesem Abend diskutieren wir, worin die einzelnen Religionen gestalterische Kräfte in unserer Gesellschaft sind und sein sollen und wie sie in ihr wahrgenommen werden.
Vertreterinnen und Vertreter aus den verschiedenen Religionsgemeinschaften, der Gemeinde Wien und der Bezirkspolitik werden miteinander ins Gespräch kommen, wie sich der Wert von Religion konkret in unserem Bezirk manifestiert.

 

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Kresimir Mladensich, Bezirksrat Leopoldstadt, Bezirksbeauftragter für Integration und Kultur:

Warum interessiert Sie das Thema der Podiumsdiskussion „Religion – gestaltende Kraft oder Ärgernis?“

Ich glaube, dass Religionen gestaltende Kraft oder Ärgernis sein können – in Abhängigkeit von der geschichtlichen Periode, der jeweiligen Örtlichkeit oder der persönlichen Erfahrung. Für die Menschen auf der Suche nach dem Sinn stellen sie aber im Kern vielfältige Wege der spirituellen Erfahrung dar.

Die Schriftstellerin Mascha Kaleko schrieb in ihrem Gedicht „Es werde jeder selig nach seiner Konfession“:

Ob Jud’, ob Christ: es gibt nur einen Gott.
Doch sucht der Mensch ihn unter vielen Namen.
Stehen wir vor IHM, so fragt er nicht danach,
Auf welchem Pilgerweg wir zu ihm kamen.

 

Worin sehen Sie die Bedeutung der im Bezirk vertretenen Religionen?

Aufgrund ihrer spirituellen, sozialen und kulturellen Aktivitäten stellen die konfessionellen Einrichtungen wichtige Orientierungspunkte des Gemeinschaftsgefüges dar. Im Bezirk sind mehrere katholische, evangelische, orthodoxe, jüdische und buddhistische Institutionen angesiedelt – oft auf engstem Raum nebeneinander wie entlang der Praterstraße oder im Alliiertenviertel. Ein harmonisches Miteinander stellt daher eine wichtige Voraussetzung für eine friedliche Zukunft dar.

Als ich dieser Tage die Einreichung eines kulturellen Vorhabens im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen las, fand ich folgende Projektbeschreibung:

Öffnen der Kirche – Ökumenische Einladung an Nachbarpfarren – Präsentation der Pfarrgemeinden als Orte der Spiritualität und der kulturellen Vielfalt – Begegnung und Gespräch über Gott und die Welt – Willkommensdienst für Interessierte

Ich finde, dass diese Projektbeschreibung die Bedeutung der im Bezirk vertretenen Religionen besser darstellt, als man je in Worten ausdrücken könnte.  

 

Wie manifestiert sich das im Bezirk? Was fehlt?

Die spirituelle, kulturelle, soziale und intellektuelle Dimension des Beitrags konfessioneller Gruppen für das Gemeinwesen der Leopoldstadt kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Religiöse Einrichtungen konfessioneller Gruppen befinden sich oft in unmittelbarer Nähe zueinander wie etwa entlang der Praterstraße. Hier befinden sich auf engstem Raum eine katholische Kirche, eine evangelische Volksschule, eine Moschee und einige Synagogen und Bethäuser. Die Frage nach dem friedlichen Miteinander ist daher von zentraler Bedeutung für die Zukunft. Der interreligiöse Dialog findet häufig zwischen zwei Gruppen und eher selten unter Einbeziehung aller Beteiligten Gruppen statt. Ein regelmäßiger Dialog von Christen, Juden und Moslems wäre ein wichtiger Anfang für eine gute Zukunft.

Um den Rest der Überlegungen von Bezirksrat Mladensich zu erfahren, müssten Sie am Donnerstag, 27. Mai zu der Diskussion kommen...;-)

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Konstantin Spiegelfeld, Pfarrer der röm.kath. Pfarre St. Johann Nepomuk, 1020 Wien

Religionen- Gestaltende Kraft oder Ärgernis?

Eine Podiumsdiskussion am Donnerstag, 27.5. im Uniqa-Tower in der Leopoldstadt, die weiter denken und glauben lässt. 

Der für manche Menschen ungewohnte Raum für derartige Gespräche ermöglichte das Zusammenkommen unterschiedlicher Vertreter des religiösen und öffentlichen Lebens in der Leopoldstadt. „Weiter“ erlebte ich für mich als Mitdiskutant die Diskussion in dreifacher Hinsicht:  in geistiger, inhaltlicher und in zeitlicher Hinsicht. Sie war bereichernd und lässt weiterdenken und weiterarbeiten.

3 wesentliche Beobachtungen rechtfertigen und erfordern im Sinne des gestellten Themas eine Reflexion. Es gibt eine feststellbare neue Sehnsucht nach innerer Orientierung und eine verstärkte Suche nach Quellen der seelischen Kraft und Beheimatung angesichts der vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Migrantinnen und Migranten und deren Integration haben in den letzten Jahren die Frage nach der sozialen, gesellschaftpolitischen Bedeutung und Begründung des Glaubens an Gott im persönlichen Leben und im öffentlichen Raum neu aufgeworfen und gestellt. 

In Anbetracht der Realität, dass Wahrheitsansprüchen in der heutigen Gesellschaft zum Teil offen, zum Teil indirekt oder versteckt, entgegengetreten wird, verbindet die drei abrahamitischen monotheistischen Religionen einige Erfahrung in der Öffentlichkeit. Die in unserem Land  lebenden Menschen schätzen ihre freie Entscheidungsmöglichkeit in Fragen der Religiosität. Das ist für Religionen ein hohes Gut. Eine offene Frage dabei: ist jeglicher Religionswechsel möglich? Gleichzeitig ist der Glaube an Gott aus mehreren Gründen nicht reine Privatsache, sondern hat öffentliche Relevanz. Persönliche Beziehungen zu Vertreterinnen und Vertreten von Religionen sind vielfach wichtiger, als institutionelle. Die Nächstenliebe ist für alle Beteiligten der Diskussion ein wichtiges Zeugnis und Praxis ihres Glaubens.

Es gab einige  inhaltliche Diskussionspunkte zwischen den Religionsvertretern:

- Bedeutet die Erfassung des Religionsbekenntnisses bei Volkszählungen durch den Staat für den Juden, dass er oder sie registriert werden soll? Die schmerzhafte Geschichte prägt da die Erinnerung!

- Wieweit kennen die Menschen die Geschichte und die konkreten Inhalte der Religionen? Oft sind die der eigenen, gelebten und angestimmten , manchmal die anderen relativ unbekannt. Daraus kann Angst erwachsen.

- Wie prägen globale Zusammenhänge das Zusammenleben im Bezirk vor Ort? Sowohl Juden weltweit, als auch Christen in mehrheitlich islamischen Staaten, haben da direkte Anfragen, oft auch Probleme. Können Muslime in Österreich frei ihren Glauben leben?

 So setzte sich der Abend in vielfachen persönlichen Gesprächen fort. Wahrhaftigkeit, inhaltliche Relevanz und gegenseitiger Respekt sind der Weg, um Religionen als gestaltende Kräfte in unserer Zivilgesellschaft und auf offizieller staatlicher Ebene zu erkennen. Sie halten die Gottesfrage lebendig. Das verbindet sie. So werden notwendigerweise das Gespräch mit Vertretern der Gesellschaft und der Dialog miteinander zum Wohl der Menschen und als innerer Auftrag der Religionen weitergehen.    

 2. Juni 2010, Pfr. Konstantin Spiegelfeld    

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